top of page

Deutschlands am meisten unterschätzte Stadt Nr. 5: Kiel

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Nach der modebewussten Atmosphäre in Düsseldorf beschloss ich, so weit wie möglich nach Norden zu fahren. Ich wollte den äußersten Rand Deutschlands sehen, wo das Land endet und die Ostsee beginnt. So kam ich schließlich nach Kiel.


Um ehrlich zu sein, hätte ich es fast ausgelassen. Viele Leute sagten mir, es sei „zu industriell“ oder „nur ein Hafen“ und man solle lieber nach Hamburg fahren, aber nachdem ich ein paar Tage dort verbracht hatte, wurde mir klar, dass genau das den Reiz ausmacht. Kiel versucht gar nicht, ein altmodisches Museum zu sein, sondern ist vielmehr ein lebendiger, atmender, von salziger Seeluft geprägter maritimer Knotenpunkt, der rau und authentisch wirkt. Wenn du ein Fan von großen Schiffen, frischer Seeluft und einem Tor nach Skandinavien bist, ist Kiel der Geheimtipp, den du unbedingt besuchen musst.



  1. Das Tor zur Ostsee (und noch viel weiter)


Das Erste, was einem an Kiel auffällt: Die Kieler Förde reicht bis mitten in die Innenstadt. Es gibt wohl kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem man in der Fußgängerzone shoppen geht und beim Hochblicken am Ende der Straße ein 15-stöckiges Kreuzfahrtschiff oder eine riesige Norwegen-Fähre sieht. Hier packt einen ständig das Fernweh. Wenn man an der Kaimauer steht und zuschaut, wie die Schiffe Richtung Schweden und Norwegen ablegen, fühlt man sich wie am Ende der Welt. Kiel ist nicht einfach nur eine Stadt – es ist das Sprungbrett in den gesamten Norden.


  1. Kieler Woche: Das „Oktoberfest des Nordens“

Ich hatte das Glück, im Juni während der Kieler Woche dort zu sein, und ich kann euch sagen: Wer glaubt, dass man nur in München richtig feiern kann, täuscht sich gewaltig. Die Kieler Woche ist zwar das größte Segelsporthallevent der Welt, fühlt sich aber eher wie ein riesiges, internationales Volksfest an. Auf dem „Internationalen Markt“ am Rathausplatz gibt es Essen aus allen Ecken der Welt, und in der ganzen Stadt steigen kostenlose Open-Air-Konzerte. Mein persönliches Highlight war die Windjammerparade, bei der über hundert historische Großsegler mit ihren riesigen weißen Segeln die Förde füllen. Ein Anblick wie aus dem 19. Jahrhundert!


  1. Ein Geist aus der Tiefe: Das U-Boot in Laboe


Für eine Dosis Geschichte ging es mit der kleinen Fördefähre hinüber nach Laboe. Direkt am Strand liegt U 995, ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg. Es ist das weltweit einzige verbliebene U-Boot dieser Art – und man kann tatsächlich hineinklettern! Wenn man sich durch die engen, metallenen Gänge zwängt, bekommt man einen beklemmend authentischen Eindruck davon, wie das Leben für die Seeleute unter Wasser gewesen sein muss. Gleich nebenan ragt das Marine-Ehrenmal empor, ein mächtiger Backsteinbau, von dem aus man einen atemberaubenden Panoramablick über die Ostsee genießt.


  1. Die Kiellinie: Wo das Leben pulsiert

Wer Kiel wie ein Local erleben will, geht an die Kiellinie. Die lange, geschwungene Promenade entlang des Wassers ist das Herzstück der Stadt. Ich habe meine Nachmittage am liebsten dort verbracht, mit einem frischen Fischbrötchen in der Hand (ein absolutes Muss!), während ich den Ruderern und Seglern beim Training zugeschaut habe. Ein cooler Geheimtipp: Das GEOMAR Aquarium hat ein Außenbecken für Seehunde direkt an der Promenade. Man kann einfach auf dem Gehweg stehen und kostenlos dabei zusehen, wie die Seehunde gefüttert werden oder im Wasser tobend ihre Runden drehen. Es sind genau diese kleinen Momente, die den Charme von Kiel ausmachen.

  1. Ingenieurskunst im XXL-Format: Der Nord-Ostsee-Kanal


Vor meiner Abreise musste ich unbedingt noch den Nord-Ostsee-Kanal sehen. Ich habe gelernt, dass er tatsächlich die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt ist – noch vor dem Panamakanal! An den Schleusen in Holtenau stand ich auf der Aussichtsplattform: Es hat etwas überraschend Hypnotisches, zuzusehen, wie sich diese gigantischen Containerschiffe mit nur wenigen Zentimetern Spielraum in die Schleusenkammern schieben. Ein faszinierendes Zeugnis deutscher Ingenieurskunst – und es hat etwas seltsam Beruhigendes, die globale Weltwirtschaft direkt an sich vorbeiziehen zu sehen.



Kiel hat vielleicht nicht die Fachwerkhäuser des Südens, aber dafür einen ganz eigenen Charakter. Also schnappt euch einfach den Zug von Hamburg aus und macht einen Tagesausflug hierher!

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page